Dieser Artikel ist

Hörbar

Link zum Audio am Ende des Artikels

Enkeltauglicher Wald

Enkeltauglicher Wald

Kinder sind unsere Zukunft, sie, deren Kinder und deren Kindeskinder. Dabei ist es wichtig, dass unsere Nachfahren ebenso gute oder sogar noch bessere Lebensbedingungen vorfinden, als wir sie heute haben. Dies ist sicherlich das Kernanliegen der meisten Eltern und Gro√üeltern. Diese F√ľrsorglichkeit f√ľr kommende Generationen ist nichts Neues: Vor √ľber dreihundert Jahren wurde in den W√§ldern Sachsens das Holz immer knapper. Die B√§ume wurden f√ľr den Bergbau geschlagen und der Oberbergmann Hans Carl von Carlowitz erkannte, dass etwas unternommen werden musste, damit die Bev√∂lkerung von morgen statt satter W√§lder nicht nur w√ľste H√ľgel vorfinden w√ľrde.

Hans Carl von Carlowitz verfasste im Jahr 1713 ein Werk nach damals modernstem forstwirtschaftlichem Wissenstand, die ‚ÄěHau√üwirthliche Nachricht und Naturm√§√üige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht‚Äú oder auf Latein die ‚ÄěSilvicultura Oekonomika‚Äú. Darin formuliert er erstmalig die Notwendigkeit f√ľr ‚Äěeine continuirliche best√§ndige und nachhaltende Nutzung‚Äú, die auch den Kindern und Enkelkindern das Leben mit und vom Wald erm√∂glichte.

Blickt man heutzutage auf die fl√§chenweise kahlen Waldgebiete, wie beispielsweise im Harz und im Frankenwald (Deutschland), oder auch in viele andere Gegenden in Deutschland und √Ėsterreich, so stellt sich wie vor 300 Jahren die Frage, wie es hier weitergehen soll. Welchen Wald wollen wir nachkommenden Generationen hinterlassen?

Jede Waldbesitzerin und jeder Waldbesitzer wei√ü: Wir pflanzen den Baum, unsere Kinder sehen ihn wachsen und fr√ľhestens unsere Enkelkinder k√∂nnen ihn nutzen. Unser Handeln am Wald hinterl√§sst seine h√∂lzernen Spuren erst in 100 bis 150 Jahren. So lange brauchen beispielsweise Buchen und Eichen ‚Äď je nach Standort, ‚Äď bis wir sie ernten k√∂nnen. Aber m√ľssen wir die B√§ume √ľberhaupt ernten? Ist das denn noch zeitgem√§√ü? Was muss der Wald von morgen alles erf√ľllen, damit unsere (Ur-)Enkel ein angemessenes Walderbe vorfinden? Ganz anthropozentrisch betrachtet, brauchen wir Menschen den Wald f√ľr viele verschiedene Bereiche unseres Lebens.

CO2 Speicher Wald – ein gutes Klima f√ľr die Enkel

Aktuell ist Wald vor allem als CO2 Speicher im Fokus. Im Jahr 2021 wurden in Deutschland etwa 675 Millionen Tonnen klimasch√§dliches Kohlenstoffdioxid ausgesto√üen. Grob gerechnet ist ein Hektar Wald j√§hrlich in der Lage, sechs Tonnen CO2 zu speichern. Bei 11,4 Millionen Hektar Waldfl√§che in Deutschland wird dadurch also jedes Jahr knapp 1/10 der deutschen Kohlenstoffdioxid-Emissionen wieder kompensiert. Wird das Holz aus den W√§ldern langfristig genutzt, so steigert und verl√§ngert man diesen Speichereffekt um mehrere Jahrzehnte, teils sogar um Jahrhunderte. Ein Beispiel hierf√ľr ist das Bauen mit Holz. Idealerweise wird sogar nach Lebensende eines Holzhauses der Rohstoff weitergenutzt und erh√§lt beispielsweise im Upcycling als M√∂bel ein zweites, wom√∂glich drittes Leben.

Vom Pfahlbau zum Holzhaus von morgen

Und damit sind wir auch schon mittendrin in der stofflichen Nutzung unserer W√§lder. Holz ist ein Rohstoff, der seit Jahrtausenden von uns Menschen eingesetzt wird. Arch√§ologische Zeugnisse von Pfahlbauten wie zum Beispiel am Bodensee veranschaulichen, dass unsere Vorfahren bereits vor fast 6.000 Jahren das Material Holz f√ľr ihre H√§user nutzten. Auch heute wird vieles aus Holz gebaut. In Bayern erreicht die Holzbauquote aktuell einen Anteil von 30 %. Moderne Stadtplanung kommt kaum noch ohne den klimafreundlichen Baustoff aus. So findet man in M√ľnchen im Rahmen des Projektes Prinz-Eugen-Park eine √∂kologische Mustersiedlung aus Holz. Hoch hinaus geht es etwa in Wien mit √Ėsterreichs h√∂chster Architektur aus Holz: Das ‚ÄěHoho‚Äú ‚Äď Holzhochhaus reicht mit seinen 24 Stockwerken ganze 84 Meter in den Himmel.

Als grobe Faustregel gilt: In einem Kubikmeter verbautem Holz ist gleichzeitig eine Tonne klimasch√§dliches Kohlenstoffdioxid gebunden (CO2). Wobei es zwischen den Baumarten Unterschiede gibt. Im Laufe ihres Lebens speichert eine ausgewachsene Buche von etwa 3,4 m¬≥ Holzvolumen fast eine Tonne mehr an CO2 als eine Fichte mit dem gleichen Volumen. M√∂chte man f√ľr die Zukunft √ľber die Holznutzung aktiv einen gezielten Beitrag zum Klimaschutz leisten, gilt es also auch ein Augenmerk auf die angebaute Holzart selbst zu legen, die entsprechend Jahrzehnte zuvor schon kultiviert werden muss. Vereinfacht gesagt: Welche Baumarten wir heute pflanzen, entscheiden dar√ľber ‚Äď wenn auch im √ľberschaubaren Ma√üe ‚Äď welchen Speichereffekt unsere Enkel durch die stoffliche Nutzung von Holz zuk√ľnftig erzielen k√∂nnen.

Eichenblatt

Kunststoff aus Holz f√ľr die Nachfahren

Noch sehr viel √§lter als Zeugnisse fr√ľher Holzbaukunst sind die Belege f√ľr die Verwendung von Holz als Werkzeug und Waffe. Beispielsweise k√∂nnen die ‚ÄěSch√∂ninger Speere‚Äú, neun h√∂lzerne Jagdspeere, auf ein Alter von 290.000 bis 337.000 Jahre datiert werden. Aber auch heute spielt Holz als nachwachsender Rohstoff eine wesentliche Rolle wie etwa im Rahmen der holzbasierten Bio√∂konomie. Best√§ndig wird daran geforscht, welche Produkte unter anderem aus Holz erzeugt werden k√∂nnen.

Hintergrund ist dabei, dass Holz nicht nur CO2 speichert, sondern auch bei kurzfristiger Nutzung weitgehend CO2 neutral ist, ganz im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen wie Erd√∂l. Entsprechend wird untersucht, wie Textilien, Plastik, D√§mmmaterialien und vieles mehr aus dem nachwachsenden Material substituiert werden k√∂nnen. Die W√§lder der Zukunft werden voraussichtlich also eine noch gr√∂√üere Rolle als Lieferant f√ľr die stoffliche Nutzung spielen. Hinzu kommt der Bedarf an Energieholz in Form von Pellets, Hackschnitzeln und Scheitholz.

Schutz durch Wälder

Doch unsere W√§lder m√ľssen uns heute wie morgen noch weit mehr liefern als Rohstoffe. Extreme Wetterereignisse k√∂nnen in Zukunft (laut Prognose des Deutschen Wetterdienstes) h√§ufiger werden. Die Rede ist vor allem von Sturm- und Starkniederschlagsereignissen. In den Alpen k√∂nnten sich die Schneeverh√§ltnisse in Richtung gef√§hrlicher Lawinenlagen verschieben. Forscher in Davos am Institut f√ľr Schnee- und Lawinenforschung gehen davon aus, dass in Zukunft schwere Schneest√ľrme und l√§ngere Sch√∂nwetterperioden im Wechsel verst√§rkt zu Schneedecken f√ľhren k√∂nnten, die br√ľchiger und fragiler sind, als wir sie bisher kennen. W√§hrend die einen im Winter fr√∂hlich den Hang hinuntersausen, sind es oft die W√§lder, welche die Schneemassen festhalten und Schlimmes verhindern. Wo gesunde Bergw√§lder wachsen, braucht es weniger aufwendige Lawinenschutzverbauungen.

√Ąhnlich ist es auch in Sachen Bergrutsch, wenn nach anhaltenden Starkregenereignissen ganze H√§nge v√∂llig aufgeweicht in Bewegung geraten. Die B√§ume halten mit ihren Wurzeln das Erdreich fest und sch√ľtzen, was bergab liegt. Auch gegen √úberschwemmungen wirkt der Wald als nat√ľrlicher Schutz. Nehmen extreme Niederschl√§ge zu, werden unsere Enkel und Enkelinnen besonders entlang der Fl√ľsse vermehrt Waldfl√§chen ben√∂tigen. W√§lder wirken n√§mlich als nat√ľrliche Schw√§mme. Wasser wird zwischenzeitlich aufgenommen und dann peu √† peu wieder abgegeben. Wiesen und Weiden hingegen nehmen kaum Wasser auf, der Gro√üteil flie√üt ab. Die Hochwassergefahr kann also durch W√§lder reduziert werden – ein wichtiger Aspekt angesichts der Prognosen verschiedener Klimamodelle. So berechnet etwa des Potsdam-Institut f√ľr Klimaforschung, dass (extreme) Hochwasserereignisse in Zukunft h√§ufiger werden.

Nat√ľrlich kommt es auch hier darauf an, dass der Wald gesund ist und die richtigen Baumarten darin wachsen. Der Oberfl√§chenabfluss von Wasser ist n√§mlich in jungen oder alten und verlichteten Fichtenbest√§nden deutlich h√∂her als beispielsweise in Mischbest√§nden eines gestuften Bergmischwaldes, wie die bayrische Landesanstalt f√ľr Wald und Forstwirtschaft feststellt. Lawinenschutzwald, Hochwasserschutzwald ‚Äď es kommt nat√ľrlich auf die Lage an. Nur so l√§sst sich erkennen, welche Rolle der Wald f√ľr uns und sp√§ter einmal f√ľr unsere Kindeskinder spielen wird.

Erholungsoase und R√ľckzugsort

F√ľr die Bewohner der gro√üen St√§dte oder auch der dichter besiedelten Speckg√ľrtel in deren Umfeld ist der Wald ein zentraler R√ľckzugsort von Alltagstrubel und L√§rmbelastung. Dabei ist der Zuzug in die urbanen Ballungsr√§ume durch Corona zwar etwas verlangsamt, jedoch noch lange nicht gestoppt. Binnenwanderungs- und Au√üenwanderungsmodelle zeigen, dass bis zum Jahr 2045 der Bev√∂lkerungsdruck auf die Gro√üst√§dte weiterwachsen wird. Szenarien veranschaulichen, dass die Zahl der Haushalte im Ballungsraum wirtschaftsstarker Regionen in Zukunft zunimmt.

Der Wald ringsum der St√§dte ist nicht nur Frischluftlieferant, Luftfilter, Klimahelfer und lebende L√§rmschutzwand, sondern vor allem eines: Gr√ľner Erholungsraum f√ľr zahlreiche Menschen. Der Wald ist ein Ort der Bewegung, des Ausgleichs und der Ruhe. Befragungen von 1.140 Waldbesucherinnen und -besuchern zeigen, die Menschen nehmen den Wald als Wohlf√ľhlraum wahr. Im Vordergrund bei den Erholungssuchenden stehen positive waldtypische Sinneseindr√ľcke wie die frische Luft, die Ruhe und das Gr√ľn. Daneben sind die Erinnerungen gepr√§gt von Assoziationen an die Erholung im Wald, mit Entspannung, Wohlempfinden, freudigen Erlebnissen und verschiedenen durchgef√ľhrten Aktivit√§ten.

Motors√§genrattern und Harvester passen nicht in diese Kulisse. Das, was f√ľr einen Forstwirt zur t√§glichen Routine z√§hlt, wird vom Schwammerlsucher als St√∂rfaktor empfunden. Aktive Forstwirtschaft und Erholungssuchende ergeben eine oft konfliktreiche Mischung.

Zukunftsmodell separierte Waldfunktionen?

Und jetzt? W√§re es vielleicht ein Zukunftsmodell, wenn wir die W√§lder √Ėsterreichs und Deutschlands einfach nach ihrer Funktion aufteilen? Dort, wo weniger Waldbesucher das Bed√ľrfnis nach Ruhe und Naturgenuss einfordern, k√∂nnten eventuell unsere Wirtschaftsw√§lder entstehen? Rund um die St√§dte schaffen wir reine Erholungsw√§lder um die Kurb√§der herum Heilw√§lder und irgendwo dazwischen Naturschutzw√§lder ‚Äď Bereiche also, in denen der Mensch nichts verloren hat, weder zur Holzernte noch f√ľr seine Freizeit? W√§re solch eine Unterteilung ein Modell tauglich f√ľr unsere Enkelkinder?

Moos im Wald

Wilde W√§lder f√ľr die Zukunft?

Aktuell wird viel dar√ľber diskutiert, ob Gebiete gezielt stillgelegt werden sollten, um dem Naturraum Wald mehr Fl√§che zuzugestehen. Wildnis dient als Idealvorstellung eines √Ėkosystems Wald. Die Argumentation folgt Untersuchungsergebnissen, die nachweisen, dass etwa Naturwaldreservate eine h√∂here Artenvielfalt aufweisen (z. B. bei Spechtarten oder K√§ferarten) als Wirtschaftsw√§lder. Andere Studien kommen wiederum zum Schluss, dass Wirtschaftsw√§lder in Sachen Biodiversit√§t den wilden W√§ldern durchaus je nach Aufbau √ľberlegen sind. Wir wissen heute noch nicht, wer Recht beh√§lt. In jedem Fall sind Naturwaldreservate oder Nationalparks faszinierende Studienobjekte nat√ľrlicher Waldentwicklung. Auch f√ľr die Waldbewirtschaftung l√§sst sich daraus viel ableiten.

Sicherlich ist die Forderung gerechtfertigt, Pflanzen und Tieren wieder verst√§rkt Refugien zuzugestehen. Unsere Verantwortung gegen√ľber der Natur und Artenvielfalt erfordert, dass wir Lebensr√§ume erhalten beziehungsweise ausweiten. Letztendlich sch√ľtzen wir auf diese Weise unsere eigene Lebensgrundlage, da wir Teil dieses komplexen Systems sind. Artenschutz, Biodiversit√§t und Naturschutz funktionieren jedoch auch im Einklang mit einer schonenden und naturnahen Bewirtschaftung. N√ľtzen UND sch√ľtzen hei√üt die Devise. Totholz, naturnahe Mischungen, kleinteilige Strukturierung der Best√§nde mit Freifl√§chen, vielf√§ltige H√∂henschichtung, Wasserstellen und √Ąhnliches erh√∂hen die Artenvielfalt. Gleichzeitig k√∂nnen passende B√§ume im Rahmen einer schonenden Holzernte entnommen und genutzt werden. Naturverj√ľngung und standortgerechte Nachpflanzungen sichern wiederum den Wald der Zukunft.

Gl√ľcklicherweise also ist eine r√§umlich-funktionelle Gliederung unserer W√§lder nicht n√∂tig und in der Regel sicherlich nicht sinnvoll. Naturschutzwald, Wirtschaftswald, Erholungswald, Schutzwald, Bannwald, Heimatwald ‚Äď welche Funktion wir unseren W√§ldern auch immer abverlangen, all das gelingt auf einer Fl√§che. Kontinuierlich wird daran geforscht, wie man all diese Rollen unter einem Bl√§tterdach verbinden kann.

Wald der Gesellschaft – Wald der Waldbesitzer

Wie schaut denn nun ein enkeltauglicher Wald aus? Diese Frage l√§sst sich also zum einen von der gemeinwohlorientierten und volkswirtschaftlichen Seite aufl√∂sen: Welchen Wald brauchen die Nachkommen unserer gegenw√§rtigen Gesellschaft? Doch auf der anderen Seite gibt es nat√ľrlich auch die Enkelkinder der aktuellen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer oder die ‚ÄěNach-Nach-Nachfolger‚Äú unserer heutigen F√∂rsterinnen und F√∂rster. Welche B√§ume werden all diejenigen vorfinden, die den Wald pflegen, den wir heute planen und pflanzen?

Bäume der Zukunft

Die Mischung machts mal wieder ‚Äď doch die Mischung aus welchen B√§umen? Welche Waldzusammensetzung k√∂nnen wir unseren Enkelkindern guten Gewissens hinterlassen, gerade mit der Kenntnis, dass in einem Hitzesommer wie dem diesj√§hrigen so viele verschiedene Baumarten unter der D√ľrre gelitten haben? Um es vorwegzunehmen, ganz sicher sind sich die Forscher noch nicht, welches die Arten der Zukunft sind. Die Untersuchungen laufen in verschiedene Richtungen.

Die Herkunft der Zukunft

Zum einen wird aktuell nach Unterschieden durch Herkunft und Ursprung der B√§ume geforscht. Eine Buche, die im Bergland w√§chst, unterscheidet sich genetisch beispielsweise von den Buchen des Flachlands. Eine Buche, welche ihre Herkunft im warmen Burgenland hat, wird die kalten und oft extremen Bedingungen eines Tiroler Bergwaldes nicht √ľberleben. Die B√§ume haben sich an ihre lokalen Standortvoraussetzungen angepasst und weisen entsprechend genetische Differenzen auf. Forschende suchen nun gezielt innerhalb einer Baumart nach Abstammungen, die sich beispielsweise f√ľr trockene Gebiete eignen. Auf diese Weise k√∂nnte man mit den klassischen Baumarten einer Region weiterarbeiten, ‚Äď nur eben mit einer Herkunft, die f√ľr die klimatischen √Ąnderungen besser nutzbar sind.

Waldumbau f√ľr unsere Enkel und Urenkel

Ein anderer Weg ist, die Baumarten einer Region vollkommen zu wechseln, also einen ‚ÄěWaldumbau‚Äú vorzunehmen. Auch hier spielt die passende Herkunft eine wesentliche Rolle. Nach und nach sollen zum Beispiel Fichtenreinbest√§nde in Mischbest√§nde umgebaut werden. Denn Mischbest√§nde puffern D√ľrrephasen prinzipiell besser ab als Reinbest√§nde. Zudem sind sie weniger anf√§llig gegen√ľber Sch√§dlingen wie Borken-k√§fer, Windwurf und Schneebruch. Au√üerdem weisen sie in der Regel eine h√∂here Artenvielfalt auf und zeigen im Vergleich zwischen den jeweiligen Baumarten eine gesteigerte Produktivit√§t gegen√ľber Reinbest√§nden. Gemischte Best√§nde lohnen sich also nicht nur in Sachen Risikominimierung, sondern auch in Fragen der Holzernte.

Beim Waldumbau werden besonders f√ľr den jeweiligen Standort passende Baumarten in die Mischung eingebunden. Gleichzeitig achtet man auf die grunds√§tzlich mit einer Baumart verbundenen Eigenschaften wie zum Beispiel die generelle Trockentoleranz. Auch die Konkurrenz der Baumarten untereinander um N√§hrstoff und Licht bestimmen die Waldgestaltung. Das hei√üt, man bedenkt, welche Lichtbaumarten sich ideal mit welchen schattentoleranten Arten kombinieren lassen.

Wald Kronen Bäume

Neue Arten sucht das Land

Doch welche Arten sind denn nun zukunftsf√§hig? Aktuelle Untersuchungen laufen in Form von einer Mischung aus Anbauversuchen, dem Sammeln von Erfahrungen, Versuch und Irrtum und anderen Variationen. Durch die Bayrische Landesanstalt f√ľr Wald und Forstwirtschaft wurden zum Beispiel Vorhersagen berechnet, wie gut verschiedene Baumarten mit dem Wandel der klimatischen Voraussetzungen in Bayern in den Jahren 2071 bis 2100 zurechtkommen werden. Diese zeigen, dass in Zukunft vor allem w√§rmeliebende Baumsorten wie Eichenarten (Flaumeiche, Stileiche, Traubeneiche), Lindenarten (Winterlinde, Sommerlinde), Spitzahorn, Esche und je nach Standort (nicht zu trocken) die Rotbuche im Klimawandel eine gute Wahl sein k√∂nnen. Auch stellt sich heraus, dass die Tanne etwa besser mit dem Wandel zurechtkommen wird als die Fichte. Wo eine Baumart tats√§chlich ihre jeweilige St√§rke ausspielen kann, h√§ngt wie immer von der Summe der √∂rtlichen Standortfaktoren ab (Wasserversorgung, N√§hrstoffe, pH-Wert, Temperaturen, etc.).

Welche Rolle werden die Douglasie oder andere nicht heimische Alternativen spielen? Auch hier wird erprobt und geforscht. Atlaszeder, K√ľstentanne, Schwarzkiefer, Tulpenbaum, Esskastanie oder Roteiche sind nur einige Beispiele f√ľr Baumarten, die bei uns k√ľnftig vermehrt zum Einsatz kommen k√∂nnten. Gleichzeitig muss nat√ľrlich auch der Einfluss auf das √Ėkosystem Wald gepr√ľft werden, wenn nicht heimische Sorten kultiviert werden sollen. Neben den Chancen im Klimawandel sind neue Baumarten auch mit Risiken verbunden wie etwa Invasivit√§t, einschleppen neuer Sch√§dlingsarten oder andere noch nicht absehbare Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und Erdreich.

Wald im Wandel

Kein leichter Entscheidungsprozess, welche B√§ume die W√§lder unserer Nachfahren pr√§gen werden. Die Untersuchungen gehen weiter, aber einheitliche Empfehlungen k√∂nnen kaum ausgesprochen werden, da man immer die √∂rtlichen, kleinr√§umigen Gegebenheiten miteinbeziehen muss. Sicher ist nur, der Wald unserer Enkelinnen und Enkel wird zum Teil anders aussehen als unser heutiger. Der Wald muss f√ľr Gesellschaft, Wirtschaft und als Naturraum f√ľr Pflanzen und Tiere vielen Anspr√ľchen gerecht werden. Vielleicht m√ľssen wir Menschen jedoch auch unser Herangehen an den Wald ein wenig anpassen. Der Wald schaffte es, all diese Bed√ľrfnisse zu erf√ľllen, wenn wir ihm die Chance geben, ein m√∂glichst nat√ľrliches Gleichgewicht zu erhalten. Der Wald hat sich schon immer gewandelt. Vor vielen Tausend Jahren dominierten etwa in der mittleren Steinzeit Eichen und Ulmen, sp√§ter verdr√§ngt von der Buche. Der Wald an sich ist stetig im Wandel und passt sich an, auch wenn es l√§nger dauert, als wir Menschen gewohnt sind zu planen.

Einfach. Gesund. Ertragreich.

Nach all diesen Zukunftsszenarien m√ľssen wir uns noch einmal die Frage stellen: Wie sieht er denn jetzt aus, der enkeltaugliche Wald? Stellt man einem Waldbesitzer diese Frage, so bekommt man eine ganz klare Antwort: ‚ÄěIch m√∂chte, dass er noch steht, dass er gesund dasteht. Ich m√∂chte, dass meine Enkelkinder ein bisserl Geld rausbekommen aus dem Wald und das Holz nutzen k√∂nnen. Und dass sie m√∂glichst wenig Arbeit und √Ąrger damit haben.‚Äú

Dr. Eva Tendler

√úber die Autorin

Dr. Eva Tendler ist selbstst√§ndige Kommunikationsberaterin f√ľr die Forst- und Holzbranche. F√ľr sie ist Wald, nicht nur die B√§ume und die vielseitige Natur: Wald, das sind die Menschen mit ihren Ber√ľhrungspunkten zum Arbeits-, Erholungs-, Natur- und Herzensraum Wald. Seit 15 Jahren findet Dr. Tendler L√∂sungen rund um die forstliche Kommunitkatios-arbeit zu und zwischen den verschiedenen Zielgruppen. Dazu z√§hlen Analyse und Konzepte, Planung und Umsetzung von Kommuniationsinstrumenten, Zukunfts-strategien, Moderationen und Workshops rund um Wald und Mensch.¬† Mit ihrer Plattform Waldseiten hat sie eine Wissensquelle √ľber ihr Herzensthema geschaffen.

www.waldseiten.de

[Erschienen in der Herbst SAFTIG Ausgabe 2023: HOLZGEFL√úSTER]

Fotos © Anna Schumann, Dr. Eva Tendler
Text © Dr. Eva Tendler
Podcast gelesen von Dr. Eva Tendler

Dieser Artikel ist hörbar.

SAFTIG Podcast Cover Enkeltauglicher Wald

√Ąhnliche Artikel

√Ąhnlich

Holzgefl√ľster

Holzgefl√ľster

Dieser Artikel istLink zum Audio am Ende des ArtikelsHolzgefl√ľsterTatsache. Wir lieben Holz. In jeglicher Form. Wir lieben es damit zu arbeiten, den Geruch, wie unterschiedlich es sich anf√ľhlt. Holz...

mehr lesen
Holz macht Hirn

Holz macht Hirn

Dieser Artikel istLink zum Audio am Ende des ArtikelsHolz macht HirnDie Wirkung von Wald, Holz und Natur auf Geist und Gehirn.Das gr√ľne Vitamin Der Schweizer Arzt und Natur-philosoph Paracelsus...

mehr lesen